Ameisen gehören weltweit zu den häufigsten
Insekten, sowohl im Hinblick auf Artenvielfalt
als auch auf Individuenstärke. Von den ca.
8.800 Ameisenarten kommen die meisten in den Tropen
und Subtropen vor. Vor allem in den Tropen werden
sehr hohe Populationsdichten erreicht. Im Amazonas
Regenwald besteht die tierische Biomasse schätzungsweise
zu einem Drittel aus Ameisen. In Europa kommen
nur ca. 180 Ameisenarten vor. Dennoch haben Ameisen
auch bei uns eine große Bedeutung im Naturhaushalt.
Ameisen verteilen Nährstoffe im Boden, vertilgen
und verbreiten Schadinsekten und dienen vielen
anderen Tieren, vor allem Vögeln, als Nahrung.
Nicht zuletzt können Ameisen, die in Häuser
eindringen, äußerst lästig werden.
Aussehen
und Verhalten
Ameisen haben ein charakteristisches Aussehen,
mit einem abgesetzten Kopf und einem großen
Hinterleib. Alle Ameisen haben abgewinkelte
Antennen, bestehend aus einem langen Basalelement
und einem segmentierten Ende.
Systematisch gesehen gehören Ameisen, zusammen
mit den Bienen und Wespen, zu den Hautflüglern
(Hymenoptera). Bezeichnend für Ameisen ist
der hohe Grad an sozialer Organisation. Ein Ameisenvolk
besteht aus verschiedenen, durch Körperbau
und Verhalten unterscheidbaren Gruppen: fortpflanzungsfähige
nur zu bestimmten Zeiten geflügelte Weibchen,
geflügelte Männchen, sterile flügellose
Weibchen –die Arbeiterinnen- und die Königin.
In einem Ameisenstaat werden Eier nur von der
Königin produziert. Die zahlreichen Arbeiterinnen
übernehmen alle anderen Aufgaben wie Nestbau,
Verteidigung, Nahrungsbeschaffung und Brutpflege.
Die Männchen dienen nur der Befruchtung der
Königin und haben eine kurze Lebensdauer.
Geflügelte Weibchen treten nur kurzfristig
auf. Nach der Paarung werfen sie die Flügel
ab und bilden neue Ameisenkolonien. Im allgemeinen
sind ausschließlich die flügellosen
Arbeiterinnen sichtbar, die emsig, auch in der
weiteren Umgebung des Nests, nach Nahrung suchen.
Bei den Ameisen ist die Kommunikation mit Duftstoffen
am weitesten perfektioniert. Der Weg zu einer
Nahrungsquelle wird mit einer Spur von Düften,
die aus spezialisierten Drüsen abgegeben
werden, markiert. Die Duftmarke gibt Aufschluss
über Qualität und Ort der Nahrung. Entlang
dieser Duftspuren bilden sich Ameisenstraßen.
Die Nahrung wird, falls sie in flüssiger
Form vorliegt, im sogenannten sozialen Magen transportiert.
Feste Nahrung, wie z.B. eine erbeutete Raupe wird
als Ganzes oder zerteilt, alleine oder von mehreren
ins Nest gebracht. Feste Nahrung muss zuerst von
Larven zerkaut werden, bevor adulte (erwachsene)
Tiere sie aufnehmen können. Auf diese Weise
wird Nahrung im ganzen Ameisenstaat, auch an die
Brut (Larven) und an die Königin verteilt.
Schäden
durch Ameisen
Heimische Ameisenarten verbreiten Blattläuse,
um deren zuckerhaltigen Exkrete zu sammeln. Ameisen
fallen dann unangenehm auf, wenn Nester auf Rasen
oder in den Spalten zwischen Steinen auf Terrassen
angelegt werden. Auch können Ameisen auf
der Suche nach Nahrung in Küchen, Speisekammern
und Lagerhäuser eindringen. Durch das Belaufen
von Nahrung können Bakterien und Sporen verschleppt
werden. Auf Balkon, Terrasse und in Wohnungen
eindringende Ameisen sind meistens die schwarzgraue
Wegameise (Lasius niger) oder die braune Holzameise
(Lasius brunneus). Eine eingeschleppte Ameisenart,
die Pharaoameise (Monomorium pharaonis), ist ein
Hygieneschädling. Die Pharaoameise ernährt
sich von eiweißhaltigen Stoffen und kann
in Krankenhäusern durch das Eindringen in
Wundmaterial zu einem ernsthaften Hygieneproblem
werden. Die Bekämpfung dieser Ameisenart
ist schwierig und sollte nur von Fachleuten vorgenommen
werden.
Die
schwarzgraue Wegameise und die braune Holzameise
Die schwarzgraue Wegameise verirrt sich oft in
Häuser, vor allem im Frühling, wenn
das Nahrungsangebot im Freiland knapp ist. Nester
werden nicht in Häusern angelegt. Die Arbeiterinnen
dieser Ameisenart sind 2,5 mm bis etwas über
4 mm lang und ihr Körper ist einheitlich
schwarzbraun gefärbt. Die Antennen haben
an der Basis eine gelb-braune Färbung. Die
braune Holzameise kann ihre Nester auch in morschen
Holzbalken anlegen und dabei auch andere Bereiche
von Holzkonstruktionen schädigen. Dadurch
wird diese Ameisenart auch zum Materialschädling.
Die braune Holzameise ist etwas kleiner als die
schwarzgraue Wegameise. Brust, Beine, Fühler
und Kiefer sind gelb-braun gefärbt. Der Kopf
und der Hinterleib sind dunkler. Beide Ameisenarten
nehmen hauptsächlich kohlehydrathaltige Nahrung
auf.
Bekämpfung
im Haus und auf der Terrasse
Bei einem Vorkommen von Ameisen in Wohnungen
sollte zunächst nach dem Ort des Eindringens
gesucht werden. Oft kann durch das Verstopfen
von Rissen und Spalten ein weiteres Eindringen
verhindert werden.
Das Aufstellen von insektizidhaltigen Köderdosen
ist eine umweltschonende gezielte Bekämpfungsweise.
Ameisen nehmen den kohlehydrathaltigen Köder
auf und tragen ihn in ihr Nest, um ihn an andere
Ameisen, die Brut und die Königin zu verfüttern.
Der insektizide Wirkstoff ist so dosiert, dass
die Wirkung nur verzögert eintritt, um eine
Weitergabe des Wirkstoffs sicherzustellen. Damit
wird ein ganzes Nest bekämpft anstatt nur
einzelne Ameisen, die schnell ersetzt würden.
Mit Hilfe ätherischer Öle, die in flüssiger
oder pulverförmiger Formulierung vorliegen,
kann die Duftkommunikation auf Ameisenstraßen
oder wenn auf Nester aufgebracht auch in Nestern
gestört werden. Ameisen begehen derart behandelte
Flächen nicht mehr. So lässt sich an
Balkontüren oder an Terrassen eine Duftbarriere
errichten. Auf Nester aufgebracht, stören
die Düfte von ätherischen Ölen
derart, dass Nester aufgegeben werden.