Fliegen gehören systematisch zu der
Ordnung der Dipteren (Zweiflügler).
Im Gegensatz zu anderen Insekten haben Sie
nur ein Flügelpaar. Das hintere Flügelpaar
ist keulenartig als sogenannte Halteren
ausgebildet, die der Flugstabilisierung
dienen. Durch einen speziellen Mechanismus,
die indirekte Flugmuskulatur, die die Spannung
des Außenskelett des Insekts ausnutzt,
können die Flügel sehr schnell
bewegt werden. Dies gibt Fliegen die Möglichkeit
zu phantastischen Flugmanövern.
Es gibt mehrere Tausend Fliegenarten. Unter
den Fliegen befinden sich die größten
Plagegeister für Menschen und Tiere.
Auch vom gesundheitlichen Standpunkt aus
gesehen sind Fliegen wichtig. Es wurden
parasitische Würmer, viele pathogene
Keime, wie die Auslöser von Typhus,
Cholera, Tuberculose, Milzbrand und Polio,
an Fliegen nachgewiesen. Ebenfalls wurden
Fliegen als Verbreiter von SARS in Südost-Asien
identifiziert. Fliegen haben aber auch im
Naturhaushalt einen bedeutenden Stellenwert.
Sie dienen als Nahrungsquelle für viele
andere Organismen und spielen eine bedeutende
Rolle als Blütenbestäuber.
Die
Stubenfliege:
Die am häufigsten in Häusern vorkommende
Art ist die Stubenfliege (Musca domestica).
Stubenfliegen sind zwischen 4 und 7,5 mm
lang und können von anderen in Häusern
vorkommenden Fliegenarten durch die Äderung
der Flügel und vier Streifen auf der
Unterseite des Hinterleibs unterschieden
werden. Die Mundwerkzeuge der Stubenfliegen
sind zu einem Rüssel umgebildet, so
dass nur flüssige Nahrung aufgenommen
werden kann, wobei feste Nahrung durch Speichel
verflüssigt wird.
Vorkommen
und Vermehrung
Stubenfliegen sind Kosmopoliten. Sie kommen
überall dort vor, wo es Menschen gibt;
je nach klimatischen Gegebenheiten ganzjährig
oder nur in der warmen Jahreszeit. Unter
günstigen Bedingungen können sich
Stubenfliegen innerhalb von zwei Wochen
vom Ei über drei flügellose Larvenstadien
(die weißlichen sogenannten Maden)
und eine Ruhephase (Verpuppung) zur fertigen
Fliege entwickeln. Bedingt durch die kurze
Generationendauer haben Fliegen ein enormes
Vermehrungspotential. In einem Sommer können
sich bis zu zwölf Generationen entwickeln.
Ein Weibchen kann während seines Lebens
bis zu 500 Eier legen. In einem Gelege befinden
sich ca. 50 bis 75 Eier. Abhängig von
der Umgebungstemperatur können Stubenfliegen
über einen Monat alt werden; im Kühlen
überwinternde Fliegenwerden jedoch
deutlich älter.
Verhalten
Fliegen sind tagaktiv und orientieren sich
hauptsächlich mit den Augen, die im
Verhältnis zum Kopf sehr groß
sind. Dies erlaubt Fliegen einen Rundumblick.
Wie bei allen Insekten bestehen die Augen
aus vielen kleinen Linsen (Facettenaugen).
Das zeitliche Auflösungsvermögen
der Augen ist viel größer als
bei Wirbeltieren, wodurch auch das Reaktionsvermögen
schneller ist. Licht im Wellenbereich von
grün und rot übt eine anlockende
Wirkung auf Fliegen aus, ebenso der Kontrastbereich
zwischen Hell und Dunkel. Auch Licht im
ultravioletten Bereich wird wahrgenommen.
Anders als z.B. bei Motten, die mit luftgetragenen
Signalstoffen (Pheromone) über weite
Entfernungen kommunizieren, spielen bei
Fliegen chemische Signale nur im Nahbereich
eine Rolle. Vielmehr erkunden Fliegen ihre
Umgebung auf gut Glück.
Gesundheitliche
Bedeutung
Fliegen belästigen nicht nur Menschen
und Haustiere sondern sind durch ihre Gewohnheit
sowohl auf Speisen als auch auf Abfällen
und Fäkalien zu landen Überträger
von zum Teil gefährlichen Keimen und
Parasiten (siehe oben).
Bekämpfung
In ländlichen Gegenden dient vor allem
Mist als Befallsherd. Aber auch Mülleimer
und verfaulender Rasenschnitt werden von
Fliegen aufgesucht.
Fliegen lassen sich durch verschiedene Maßnahmen
bekämpfen. Durch mechanische Barrieren
(Fliegengitter) können Fliegen am Eindringen
in Gebäude gehindert werden. In Klebefallen
lassen sich Fliegen fangen. Dabei wird das
natürliche Verhalten der Fliegen ausgenutzt.
Da Fliegen dem Licht entgegenstreben, können
entweder transparente Klebefallen an Fenstern
angebracht werden oder Klebefallen locken
durch Form und Farbe Fliegen an. Durch Fraßköder
mit einem Lockstoff und einem insektiziden
Wirkstoff können Fliegen auch bekämpft
werden. Auch hier wird der Lockeffekt durch
entsprechende Farben verstärkt. Natürlich
kommen bei der Bekämpfung einzelner
Plagegeister auch Fliegenklatschen zum Einsatz.
In Ställen finden großflächige
Klebefallen, die durch aufgedruckte Formen
und Farben anlockend wirken, Anwendung.
Auch insektizide Wirkstoffe können
großflächig aufgetragen werden.
Ebenfalls werden Nützlinge in Ställen
zur Bekämpfung benutzt. Die räuberischen
Larven der Güllefliegen fressen die
Larven der Stubenfliegen.