Arten der Gattungen Culex, Culiseta, Anopheles, Aedes
Vermehrung
Vermehrung an Vorhandensein von stehenden Gewässern gebunden.
Aquatische Larven und Puppen. Vor allem bei Culex mehrere Generationen
im Jahr
Nahrung
Larven ernähren sich von Plankton und Schwebeteilchen.
Erwachsene Insekten saugen Pflanzensäfte und Blut.
Schaden
Belästigung von Menschen
und Tieren durch hochfrequente
Fluggeräusche, Absitzen und
Stechen. Vor allem in Tropen und
Subtropen, aber nicht ausschließlich,
Übertragung von gefährlichen
Krankheiten durch Stich.
Bekämpfung
Beseitigung von Kleinstgewässern
ums Haus, mechanische Barrieren
(Insektengitter/Gaze), Repellents
zum Auftragen auf die Haut, insektizide
Sprays und Verdampfer, Ausbringen
von Schädlingsbekämpfungsmittel
in Brutgewässer
Stechmücken (Culicidae) sind wie die
Fliegen zweiflügelige Insekten (Diptera).
Das hintere Flügelpaar ist zurückgebildet
und dient der Flugstabilisierung und Koordination.
Stechmücken haben nur wenige Millimeter
Körperlänge, sind zart gebaut, langbeinig
und meistens unauffällig grau-braun gefärbt.
Alle Mücken benötigen für die
Larvenentwicklung Wasser. In unseren Breiten
können Stechmücken (außer
Aedes) in allen Entwicklungsstadien überwintern.
Weltweit gibt es ca. 2900 Arten, ca. 50 davon
sind heimisch. Charakteristisch ist bei den
erwachsenen Insekten die Ausbildung der Mundwerkzeuge
zu Stechborsten, wobei nur weibliche Stechmücken
Blut saugen. Stechmücken können
für den Menschen äußerst lästig
werden und haben vor allem in den Tropen eine
enorme medizinische Bedeutung, denn Stechmücken
sind Vektoren (Überträger) von Infektionskrankheiten
und Parasitosen wie Gelbfieber (Aedes spec.),
West-Nil-Fieber (Culex spec.) und Malaria
(Anopheles spec.).
Entwicklung
Die Eiablage erfolgt auf dem Wasser oder in
unmittelbarer Nähe von Gewässern.
Gefunden werden geeignete Eiablageplätze
durch den Geruchssinn aber auch durch das
Erkennen von auf der Wasseroberfläche
reflektiertem polarisiertem Licht. Eier werden
einzeln an Gegenständen (Aedes, Anopheles)
oder als „Schiffchen“ auf der
Wasseroberfläche abgelegt (Culex). Die
daraus schlüpfenden Larven bewegen sich
mit einer charakteristischen schlängelnden
Bewegung und atmen meist (Ausnahme Anopheles)
durch ein Atemrohr. Die Nahrung besteht meist
aus kleinen Partikeln. Die sich daraus entwickelnden
Puppen treiben an der Oberfläche, können
aber bei Störung mit Hilfe eines hornförmig
ausgezogenen Atemorgans schnell abtauchen.
Aus den Puppen schlüpfen auf der Wasseroberfläche
innerhalb weniger Minuten die fertigen Insekten,
die nach ca. einer Stunde flugfähig sind.
Verhalten
Das für den Menschen bedeutsamste Verhalten
der Stechmücken ist das Blutsaugen. Nur
weibliche Tiere nehmen währen bestimmten
Phasen Blutmahlzeiten zu sich. Männliche
Tiere ernähren sich von Pflanzensäften.
Es werden vor allem endotherme („warmblütige“)
Tiere (Säugetiere und Vögel) gestochen
aber auch ektotherme („kaltblütige“)
Wirbeltiere und wie neuerdings bekannt auch
wirbellose Tiere. Wegen der eingangs erwähnten
gesundheitlichen Bedeutung ist der Vorgang
der Wirtsfindung Gegenstand zahlreicher Forschungsvorhaben.
Temperaturunterschiede spielen eine große
Bedeutung aber auch Feuchtigkeitsunterschiede,
das Vorhandensein von Kohlendioxid aus der
Atmung, bestimmter Aminosäuren, Milchsäure,
Octenol und weiblicher Geschlechtshormone.
Beim Stechvorgang werden die Mundwerkzeuge
in der Haut versenkt und bewegt bis eine Blutkapillare
gefunden wird. Die Saugdauer beträgt
höchstens 3 Minuten. Während des
Saugvorgangs wird Speichel injiziert um die
Blutgerinnung zu hemmen. Das Jucken nach dem
Stich wird durch den Stoff Histamin aus dem
Insektenspeichel verursacht.
Auffällig ist die Neigung der Stechmücken
zur Schwarmbildung. Der Abstand vom Boden
und das jahres- und tageszeitliche Auftreten
ist artspezifisch.
Wichtigste heimische Arten
Verschiedene Arten der Gattungen Aedes (Waldmücken)
z.B. Aedes communis. Aedes-Mücken sind
sowohl in den Tropen, als auch im Mittelmeerraum
und in Mitteleuropa vertreten. Die verschiedenen
Arten sind 4 bis 6 Millimeter groß und
unscheinbar grau-braun gefärbt. Die Mücken
überwintern als Eier, die an trocken
gefallenen Pflanzen abgelegt werden. Im Frühjahr
können bei höherem Wasserstand daraus
Larven schlüpfen. Wegen der Wärmebedürftigkeit
der heimischen Aedes-Larven kommt es bei uns
meist nur zu einer Generation.
Anopheles (Fiebermücken) z.B. Anopheles
maculipennis. Diese Mücken treten nur
vereinzelt in Mitteleuropa auf und sind vor
allem in den Tropen verbreitet. Sie sind 4,5
bis 7 mm lang. Der Körper ist dunkelbraun
gefärbt, die Flügel sind gefleckt.
Die Larven benötigen sauberes Wasser
zur Entwicklung.
Culiseta und Culex (Stechmücken im engeren
Sinn) z.B. Culiseta annulata, Culex pipiens.
Die erwachsenen Insekten können bis zu
10 Millimeter lang werden und sind unauffällig
grau-braun gefärbt. Die Larven können
sich auch in verschmutzten Kleingewässern
vermehren. Bei optimalen Bedingungen (ca.
25°C) beträgt die Generationenfolge
nur zwei Wochen, so dass sich in einem Jahr
viele Generationen entwickeln können.
Culex pipiens ist der Hauptüberträger
des West-Nil-Virus (verursacht Encephalitis),
der seit 1999 in Nordamerika ein ernstes gesundheitliches
Problem darstellt. Bedeutsam ist dabei ein
Wechsel vom Hauptwirt, der Wanderdrossel (Turdus
migratoris) zum Menschen im Herbst, wenn die
meisten Vögel wegziehen. Das West-Nil-Virus
ist bisher in Europa nur vereinzelt aufgetreten.
Bekämpfung
Im häuslichen Bereich kann dem Auftreten
von Stechmücken durch das Entfernen von
Kleinstgewässern (Wasser in Blumentöpfen,
Abdecken von Regentonnen) vorgebeugt werden.
Durch mechanische Barrieren (Insektengitter)
an Fenstern und Türen können Stechmücken
am Eindringen in Häuser gehindert werden.
Teilweise kommen auch elektrische Verdampfer
von Insektiziden und Insektizidsprays zum
Einsatz.
Im Freiland bietet das Bedecken der Haut Schutz
vor Stichen. Insektenrepellents zum Auftragen
können unbedeckte Haut schützen.
Großflächig können Insektizide
ausgebracht werden. Dies ist natürlich
ökologisch problematisch. Neuerdings
werden Eiweißkristalle des Bacterium
thuringensis israelensis in Brutgewässer
ausgebracht. Der Stoff tötet selektiv
Insektenlarven ab und ist ansonsten ungiftig.