Schaben gehören zu den stammesgeschichtlich ältesten lebenden Insektengruppen und kommen seit
dem Karbon (280-330 Millionen Jahre) vor. Es gibt weltweit ca. 3500 Schabenarten.
Die in Mitteleuropa heimischen Schabenarten haben als Schädlinge keine Bedeutung.
Aus den Tropen und Subtropen eingebürgerte Schabenarten treten in Häusern als Schädlinge auf.
Die Wichtigsten sind:
Orientalische Schabe oder Küchenschabe (Blatta orientalis)
Körperlänge 20-30 mm, Färbung einheitlich dunkelbraun, Weibchen nur mit
Flügelstummel, bei Männchen überdecken die Flügel nicht ganz den Hinterleib,
Eipakete (Oothek) mit ca. 15 Eiern werden einen Tag herumgetragen bevor sie abgelegt werden,
Larven schlüpfen nach ca. 40 Tagen, Entwicklung mit 9-10 Häutungen in 126-165 Tagen,
bevorzugte Temperatur 20-29°C.
Deutsche Schabe (Blattella germanica)
Körperlänge 11-12 mm, Färbung gelblich mit zwei dunklen Längsbinden auf dem
„Rücken”, die Vorderflügel überragen den Hinterleib bei beiden Geschlechtern,
Eipakete (Oothek) mit 16-56 Eiern werden bis kurz vor dem Schlüpfen herumgetragen, Larven schlüpfen
nach ca. 17 Tagen, 5-7 Häutungen in 38-63 Tagen, bevorzugte Temperatur 28-30°C.
Braunbandschabe (Supella longipalpa)
Körperlänge 10-12,5 mm, Färbung rotbrau bis gelblich, „Rücken”
mit durcheinendem Seitenrand, die Vorderflügel überragen den Hinterleib bei Männchen
bei den Weibchen nicht, Oothek mit ca. 18 Eiern (von denen sich in der Regel nicht alle entwickeln)
werden bis 1-8 Tage vor dem Schlüpfen herumgetragen, Larven schlüpfen nach ca. 40-70 Tagen ,
5-7 Häutungen in ca. 55 Tagen (bei kühler Umgebung bis zu einem Jahr), bevorzugte Temperatur 28-30°C.
Amerikanische Schabe (Periplaneta americana)
Körperlänge 23-32 mm, Färbung rotbrau mit verwaschenem rostgelb, die Vorderflügel
überragen den Hinterleib bei Männchen und Weibchen, Oothek mit ca. 15-20 Eiern werden bis 1
Tag vor dem Schlüpfen herumgetragen, Larven schlüpfen nach ca. 35-50 Tagen , 7-10 Häutungen
in 160-197 Tagen, bevorzugte Temperatur 25-30°C, feuchtigkeitsbedürftig, erwachsene Schaben haben
eine lange Lebensdauer (bis zu 21 Monate).
Bedingt durch milde Winter und feuchte Sommer haben sich heimische
im Freiland vorkommende Waldschaben (Ectobius sylvestris, E. lapponicus und E. vittiventris) stark vermehrt.
Diese dringen jedoch sehr selten in Gebäude ein, vermehren sich dort nicht und verursachen keine Schäden.
Aussehen und Verhalten:
Schaben haben eine typische Körperform: der Körper ist abgeplattet, der Kopf ist
fast vollständig von dem schildförmigen „Rücken” (Dorsalseite des 1. Thoraxsegments)
bedeckt. Die Fühler sind vielgliedrig und meist länger als der Körper. Die Mundwerkzeuge
sind beißend-kauend (ein primitives Merkmal innerhalb der Insekten).
Schaben haben auffällige Hinterleibsanhänge (Cerci).
Schaben haben zwei Flügelpaare, wobei das vordere lederartig ausgebildet ist und das hintere
als Schutz überdeckt. Bei vielen Arten sind die Flügel der Weibchen verkümmert, bei einigen
Arten sind auch gar keine Flügel ausgebildet. Allgemein fliegen Schaben wenig, sind jedoch mit ihren
Laufbeinen sehr schnell.
Schaben gehören zu den hemimetabolen Insekten, d.h. dass Larven und Imagines (erwachsene Tiere)
die gleiche Lebensweise und einen ähnlichen Körperbau haben.
Schaben ernähren sich von einer Vielzahl pflanzlicher und tierischer Stoffe, in vom Menschen
geprägter Umgebung meist von Abfall. Schaben können bei ungünstigen Bedingungen
mehrere Monate ohne Nahrung überleben.
Schaben haben gut entwickelte Augen und reagieren stark auf Licht. Sie sind meist nachtaktiv und meiden helles Licht.
Schaben kommunizieren mit arteigenen Duftstoffen (Pheromonen), die auch der Anlockung zur Paarung dienen. Eier werden
in speziellen Eipaketen (Ootheken) abgelegt. Bei einigen Arten wird die Oothek während der ganzen
Embryonalentwicklung vom Weibchen herumgetragen.
Schaben als Schädlinge und Krankheitsüberträger:
Schaben werden aufgrund ihrer Lebensweise bei einem Vorkommen in Häusern als Hygieneschädlinge betrachtet.
Sie tragen hochgradig zur Verbreitung human- und veterinärmedizinisch bedeutsamer Krankheitskeime
wie Staphylococcen, Pneumococcen und Salmonellen bei.
Schaben werden von vielen Menschen auch als ekelerregend empfunden. Ein Befall von Schaben z.B. in einem
Lebensmittelbetrieb kann großen wirtschaftlichen Schaden verursachen. Außerdem gelten Schaben
zunehmend als Mitverursacher von Hausstauballergien.
Bekämpfung von Schaben:
Das Auftreten von Schaben in Häusern wird oft mit Hilfe von Klebefallen ermittelt.
Ein Befall mit Schaben wird von professionellen Schädlingsbekämpfern mit dem Ausbringen
von insektiziden Ködern in Gelform oder auch mit Wachtumsregulatoren (Häutungshemmstoffe) bekämpft.
Ein leichter Befall kann mit Klebefallen gemildert werden. Auch das Streuen von Diatomeenerde (Silicagel) an den
Aufenthaltsorten von Schaben kann erfolgreich sein. Diatomeenerde zerkratzt den Chitinpanzer von Insekten und
führt zu deren Austrocknung. Oberflächen können mit einem Insektizidspray mit Residualwirkung
behandelt werden. In bestimmten Fällen können Schaben auch auf biologische Weise mit parasitischen
Schlupfwespen und Nematoden bekämpft werden .