Zecken

Häufigste den Menschen stechende Art in Europa

Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus)

Größe

Nüchtern maximal 4 mm, nach Blutmahlzeit bis zu 3 cm, Larvenstadien bedeutend kleiner

Nahrung

Blut, Lymphe und Gewebereste von Wirbeltieren

Vorkommen

In dichter Vegetation bis zu 1,5 Meter Höhe. In kalter Jahreszeit nicht aktiv.

Medizinische Bedeutung

Durch Stich Übertragung ernsthafter Erkrankungen wie Meningoenzephalitis (FSME), Borreliose und Rickettsiosen

Vorbeugung

Vermeiden von Aufenthalt in dichter Vegetation, Körperbedeckende Kleidung, Absuchen nach Zecken, insektenabweisende Mittel (Repellentien), möglichst schnelles fachgerechtes Entfernen von Zecken nach dem Stich

Detailbeschreibung

Zecken gehören wie Milben zu der Klasse der Spinnentiere (im Gegensatz zu den Insekten haben diese als Erwachsene acht Beine und sind nie geflügelt). Die meisten Zeckenarten sind Ektoparasiten d.h. sie sitzen auf ihrem Wirt. Als Wirtstiere dienen meist Wirbeltiere. Auf Grund der parasitischen Lebensweise sind Zecken bedeutende Krankheitsüberträger.

Die häufigste medizinisch bedeutende Zeckenart in Europa ist der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Diese Zeckenart wird nur wenige Millimeter, maximal 4 mm groß. Sie gehört wie alle – mit einer Ausnahme – bei uns vorkommenden Zeckenarten zur Gruppe der Schildzecken (Ixodidae) und hat einen verhärteten Chitinpanzer auf dem Hinterleib. Wie bei allen Zecken ist ihr Hinterleib stark dehnbar.

Zecken bevorzugen hohe Luftfeuchtigkeit und Wärme. Bei Temperaturen unter 7°C sind Zecken nicht aktiv, sondern verfallen in eine Kältestarre. In kalten Wintern sterben die meisten Zecken. In milden Wintern überleben viele Zecken. Im darauf folgenden Sommer gibt es dann viele Zecken. Allerdings ist Trockenheit auch ein beschränkender Faktor für die Populationsentwicklung.

Eier werden in Paketen an der Unterseite von Grashalmen abgelegt. Die aus den Eiern schlüpfende sechsbeinige Larve sucht sich einen geeigneten Wirt z.B. ein Nagetier, saugt sich fest und lässt sich nach einigen Tagen wieder fallen. Nach einigen Monaten häutet sich die Larve zu einer achtbeinigen Nymphe, die sich einen größeren Wirt z.B. eine Katze sucht. Nach dem erneuten Blutsaugen häutet sich die Nymphe zur ausgewachsenen Zecke und sucht sich einen neuen, größeren Wirt z.B. einen Menschen. Zwischen den einzelnen Entwicklungsschritten können temperaturbedingt Ruhephasen liegen. Nach der letzten Blutmahlzeit lässt sich die Zecke fallen und sucht einen Partner zur Paarung. Weibliche Zecken sterben nach der Eiablage, männliche Zecken sterben direkt nach der Begattung.

Sowohl Männchen als auch Weibchen benötigen Blut zur Ernährung. Weibchen sind zur Entwicklung von Eiern auf größere Blutmengen angewiesen.

Zecken sind normalerweise von März bis Oktober aktiv. Sie halten sich in der Vegetation auf und werden von einem potentiellen Wirt dann abgestreift. Mit Hilfe eines chemo-rezeptorischen Sinnesorgans (Haller’sches Organ) können Zecken Ammoniak, Kohlendioxid, Buttersäure und andere flüchtige Stoffe wahrnehmen, die mit dem Atem und Schweiß eines potentiellen Wirts abgegeben werden. Auch Erschütterung und hell-dunkel Kontraste dienen der Erkennung von Opfern. Zecken krabbeln oft mehrere Stunden an einem menschlichen oder tierischen Wirt bevor sie stechen. Bevorzugt werden Stellen mit dünner Haut ausgewählt. Beim Menschen sind dies die Leistengegend und die Kniekehlen.

Zecken ritzen mit den paarigen „Kiefern“ (Cheliceren) ihrer Mundwerkzeuge die Haut an und schieben den mit Widerhaken besetzten „Stechapparat“ (Hypostom) in die Wunde. Der umgangssprachlich als „Zeckenbiss“ bezeichnete Vorgang ist daher korrekt ein Zeckenstich. Anders als bei Stechmücken werden keine Blutgefäße angestochen sondern lediglich austretendes Blut und Lymphe und sich zersetzendes Gewebe aufgeleckt. Zecken geben ein Sekret ab, das Gerinnungshemmer enthält um ein Verstopfen seines Stechapparats zu verhindern. Ebenfalls wird mit dem Speichel eine Art Klebstoff abgegeben um die Mundwerkzeuge in der Haut zu verankern. Abgegebene Betäubungsmittel dienen dazu unbemerkt zu bleiben und ein entzündungshemmender Stoff verhindert eine Immunreaktion des gestochenen Wirtsorganismus‘.

Zecken können mehrere Tage Blutsaugen bevor sie sich vom Wirt herunterfallen lassen. Zecken können im Extremfall das 200 fache ihres Körpergewichts an Blut zu sich nehmen und vervielfachen dabei ihre Größe.

Zecken haften auch mit ihren Krallen an der Haut der Opfer. Die Krallen enthalten das Protein Resilin, das eine sehr gute Haftung ermöglicht. In Experimenten wurde gezeigt, dass weibliche Zecken mit einer Kraft, die dem 500-fachen ihres Körpergewichts entspricht an Glasflächen haften können.

Zecken können ernsthafte Erkrankungen wie Borreliose, Meningoenzephalitis (FSME) und Rickettsiosen übertragen. Die Gebiete mit Zeckenpopulationen, die Überträger von FSME sein können, haben sich in den letzten Jahren stark ausgeweitet. Die Krankheitserreger sitzen im Darmtrakt der Zecken und werden in der Regel erst einige Stunden nach Beginn des Saugvorgangs abgegeben. Ein rasches Entfernen von Zecken mindert daher das Infektionsrisiko deutlich.

Es wird empfohlen den Aufenthalt in dichter Vegetation zu vermeiden. Körperbedeckende Kleidung schützt zu einem gewissen Grad auch vor Zeckenstichen. Das Absuchen nach Zecken nach dem Aufenthalt im Freien ist eine wichtige vorbeugende Maßnahme. Insektenabweisende Mittel (Repellentien) können zeitlich begrenzt vor Zeckenstichen schützen. Ein möglichst schnelles fachgerechtes Entfernen von Zecken nach dem Stich kann das Risiko einer Infektion erheblich mindern, da die sich im Darm der Zecken befindlichen Krankheitskeime mit dem Speichel der Zecke bevorzugt dann abgegeben werden, wenn schon Blut verdaut wurde.

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Zeckenkarte

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